Oliver G. Hoffmann und Oliver GeibelGeschäftsführung

Recruiting

Testimonial-Video: So entstehen Interviews, die überzeugen

Kundenvideo, Mitarbeiterstimme, Interviewfilm: wie du die richtigen Menschen findest, Fragen statt Skripte stellst und aus einer Stunde Interview 90 überzeugende Sekunden machst.

Ein Testimonial-Video ist ein Interviewfilm, in dem Kunden oder Mitarbeitende in eigenen Worten von ihrer Erfahrung mit deinem Unternehmen erzählen. Es überzeugt, weil nicht du über dich sprichst, sondern andere. Entscheidend sind die richtige Person, offene Fragen statt Skript, ein ruhiges Interview-Setup und Bilder aus dem echten Alltag, die das Gesagte belegen.
Inhalt
  1. Was ist ein Testimonial-Video?
  2. Wann lohnt sich ein Testimonial-Video?
  3. Wie findest du die richtigen Interviewpartner?
  4. Fragen statt Skript: Wie führst du das Interview?
  5. Wie drehst du ein Testimonial-Video?
  6. Wie wird aus einer Stunde Interview ein starkes Video?
  7. Was musst du bei Rechten und Freigaben beachten?
  8. Wo setzt du Testimonial-Videos ein?
Kontrollmonitor einer Kamera zeigt einen Sprecher bei einer Interviewaufnahme im Studio

Was ist ein Testimonial-Video?

Ein Testimonial-Video ist ein kurzer Film, in dem Menschen, die dein Unternehmen kennen, von ihren Erfahrungen berichten: Kunden über ein Projekt, Mitarbeitende über ihren Arbeitsplatz, Partner über die Zusammenarbeit. Die Grundlage ist fast immer ein Interview. Anders als im Imagefilm spricht nicht das Unternehmen über sich, sondern ein Zeuge, und genau das macht die Aussage glaubwürdig.

ArtWer sprichtZielTypischer Einsatz
KundenvideoKundinnen und KundenVertrauen vor der KaufentscheidungLeistungsseite, Angebot, Vertrieb
Mitarbeiter-TestimonialKolleginnen und KollegenBewerber gewinnenKarriereseite, LinkedIn, Stellenanzeige
Case-VideoKunde und ProjektteamErgebnis eines Projekts belegenReferenzseite, Pitch, Messe
InterviewfilmFachleute, Führungskräfte, viele StimmenWissen oder Strategie vermittelnIntranet, Townhall, Social Media

Die Begriffe überschneiden sich. „Testimonial“ betont die Empfehlung, „Interview-Video“ die Form, „Kundenvideo“ den Absender. Handwerklich gelten für alle dieselben Regeln.

Wann lohnt sich ein Testimonial-Video?

Ein Testimonial-Video lohnt sich immer dann, wenn Vertrauen der Engpass ist: bei erklärungsbedürftigen B2B-Leistungen mit langen Entscheidungswegen, bei hohen Investitionen und bei Arbeitgebern, die neben bekannteren Namen um Fachkräfte werben. Wenn Interessenten fragen „Wer hat das schon gemacht?“ oder „Wie ist es wirklich, dort zu arbeiten?“, ist eine echte Stimme die überzeugendste Antwort.

Weniger geeignet ist das Format, wenn du eine Marke erst einführen oder ein komplexes Produkt erklären willst. Dafür sind ein Imagefilm oder ein Werbefilm die bessere Wahl. In der Praxis ergänzen sich die Formate: Der Imagefilm erzählt, wofür du stehst, das Testimonial belegt es.

Im Recruiting gehören Mitarbeiter-Testimonials zu den glaubwürdigsten Formaten, weil Bewerber diese Menschen später im Gespräch und im Team wiedertreffen. Wie sie mit Imagefilm, Stellenclips und Kampagnen zusammenspielen, steht auf der Seite Recruiting-Video erstellen lassen.

Wie findest du die richtigen Interviewpartner?

Die richtigen Interviewpartner für ein Testimonial-Video haben eine konkrete Geschichte, erzählen gern und sind für dein Publikum glaubwürdig. Nicht der Kunde mit dem größten Namen bringt das stärkste Video, sondern der, der ein Vorher und ein Nachher beschreiben kann. Prüfe das in einem kurzen Vorgespräch ohne Kamera. Dabei merkst du schnell, wer frei spricht und wer eine Rede hält.

  • Konkrete Geschichte: ein Problem, eine Entscheidung, ein Ergebnis.
  • Passende Rolle: Entscheider überzeugen Entscheider, Fachkräfte überzeugen Fachkräfte.
  • Sprechfreude: Wer im Vorgespräch in ganzen Sätzen erzählt, tut es meist auch vor der Kamera.
  • Mehrere Stimmen: damit das Video nicht mit einer Person steht und fällt.
  • Zeit: rund ein halber Tag für Interview und Bilder am Arbeitsplatz.

Bei Kundenvideos kommt eine Hürde dazu, die oft unterschätzt wird: die Freigabe auf Kundenseite. In vielen Unternehmen muss die Kommunikationsabteilung zustimmen, bevor Mitarbeitende öffentlich über einen Dienstleister sprechen. Kläre deshalb früh, wer freigibt, ob Firmenname und Logo genannt werden dürfen und welche Projektdetails vertraulich bleiben.

Fragen statt Skript: Wie führst du das Interview?

Ein gutes Testimonial entsteht aus offenen Fragen, nicht aus einem vorgeschriebenen Text. Auswendig gelernte Sätze hört man sofort, und sie zerstören genau die Glaubwürdigkeit, für die das Format da ist. Bitte deine Gesprächspartner, von Situationen zu erzählen, und lass sie die Frage in ihrer Antwort aufgreifen, damit der Satz später ohne deine Frage verständlich ist.

Ein bewährter Ablauf für Kundeninterviews in 5 Schritten:

  1. Aufwärmen: Wer bist du, was machst du? Die ersten Minuten sind selten verwendbar, aber sie lösen die Anspannung.
  2. Ausgangslage: Wie war es, bevor ihr zusammengearbeitet habt? Woran hat es gehakt?
  3. Wendepunkt: Erzähl von dem Moment, in dem du gemerkt hast, dass es funktioniert.
  4. Ergebnis: Was ist heute anders? Gibt es ein Beispiel, eine Zahl, eine Reaktion?
  5. Empfehlung: Was würdest du jemandem sagen, der vor derselben Entscheidung steht?

Für Mitarbeiter-Testimonials verschieben sich die Fragen: Warum bist du gekommen, warum bist du geblieben, was hat dich überrascht, und was würdest du einer Freundin erzählen, die sich hier bewirbt?

Wie viel von den Fragen abhängt, zeigt unser Film für die Schiller University in Heidelberg. Statt eines Sprechertexts haben wir zugehört: In vielen Gesprächen mit Studierenden und Mitarbeitenden haben wir herausgearbeitet, was den Campus prägt, und daraus einen Fragenkatalog entwickelt. Im Film erzählen die Menschen selbst, die Bilder zeigen, was sie sagen. Das Ergebnis: mehr Bewerbungen, mehr Sichtbarkeit für den Standort und eine Zusammenarbeit, die bis heute läuft. Zum Film für die Schiller University

Oder, wie es Leila Lex von SAP formuliert hat: „Ihr habt die richtigen Fragen gestellt und genau gewusst, welche Inhalte funktionieren.“ Zur Success Story SAP

Wie drehst du ein Testimonial-Video?

Ein Testimonial-Video drehst du am besten mit 2 Kameraperspektiven, sauberem Ton und an einem Ort, der zur Person passt. Der Ton ist dabei wichtiger als das Bild: Ein Ansteckmikrofon und ein ruhiger Raum entscheiden über die Qualität. Plane nach dem Interview Zeit für Bilder aus dem Arbeitsalltag ein, denn sie belegen, was im Interview gesagt wird.

Kameramann filmt einen Mann mit Mütze, der Kontrollmonitor zeigt die Nahaufnahme

  • Ort: Am Arbeitsplatz wirkt das Interview authentischer, im Studio kontrollierter. Unser Filmstudio Ludwigshafen hat dafür Interview-Setups mit Licht- und Tontechnik. Für Testimonials drehen wir trotzdem oft vor Ort, weil die Umgebung mitspricht.
  • 2 Kameras: eine weitere und eine engere Einstellung. So lassen sich Antworten kürzen, ohne dass das Bild springt.
  • Blickrichtung: Der Blick knapp an der Kamera vorbei zum Interviewer wirkt wie ein Gespräch. Der Blick direkt in die Kamera spricht das Publikum an, braucht aber mehr Übung. Entscheide dich für eine Variante pro Film.
  • Ton: Ansteckmikrofon plus Richtmikrofon, Klimaanlage und Telefone aus.
  • Bilder zum Gesagten: Wer von einer Anlage erzählt, wird an der Anlage gezeigt. Diese Aufnahmen sind im Schnitt so wichtig wie das Interview selbst.

Wie wird aus einer Stunde Interview ein starkes Video?

Aus einer Stunde Interview wird ein starkes Testimonial, wenn du zuerst die Aussagen auswählst und erst dann schneidest. Lass die Interviews transkribieren, markiere die stärksten Sätze und baue daraus eine Dramaturgie: Ausgangslage, Wendepunkt, Ergebnis. Was nicht in diese Linie passt, fliegt raus, auch wenn es schön gesagt ist. Am Ende stehen meist 60 bis 120 Sekunden.

Mehrere Stimmen lassen sich zu einer Geschichte verweben. Für den Jubiläumsfilm von Epple Immobilien haben wir die Chronologie weggelassen und Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen interviewt, mit persönlichen Botschaften an das eigene Unternehmen. Kein Sprecher, keine Jahreszahlen, nur Menschen und ihr Arbeitsalltag. Der Film zeigt Nähe statt Historie und hat intern spürbar etwas ausgelöst. Zum Jubiläumsfilm für Epple Immobilien

Aus demselben Material entstehen weitere Fassungen: Zitat-Clips von 15 bis 30 Sekunden für LinkedIn, Hochformat-Versionen mit Untertiteln und Standbilder mit Zitat für Präsentationen. Wie Mitarbeiterstimmen im Recruiting wirken, zeigen unsere Recruiting-Video-Beispiele.

Was musst du bei Rechten und Freigaben beachten?

Für ein Testimonial-Video brauchst du in aller Regel die Einwilligung aller Personen, die erkennbar im Bild sind, am besten schriftlich und mit Angaben zu Zweck, Kanälen und Nutzungsdauer. Bei Kundenvideos kommt die Freigabe des Kundenunternehmens für Namen, Logo und Aussagen hinzu. Und die Aussagen müssen echt sein: Leg niemandem Worte in den Mund, die er nicht selbst so sagen würde.

  • Einwilligung zu Bild und Ton, vor dem Dreh und am besten schriftlich
  • Regelung für die Nutzung, wenn jemand das Unternehmen wechselt
  • Freigabe des Kunden für Firmennamen, Logo und Projektdetails
  • Abnahme des fertigen Schnitts durch die Interviewten
  • Transparenz, wenn ein Kunde für sein Testimonial eine Gegenleistung erhält
  • Musik- und Bildrechte für alle geplanten Kanäle

Das ist keine Rechtsberatung: Vorlagen und Sonderfälle lässt du am besten von deiner Rechts- oder Datenschutzabteilung prüfen.

Wo setzt du Testimonial-Videos ein?

Testimonial-Videos wirken dort am stärksten, wo eine Entscheidung fällt: auf der Leistungsseite neben dem Anfrageformular, im Angebot oder in der Nachfass-Mail, auf der Karriereseite neben der Stelle, im Vertriebsgespräch und am Messestand. In LinkedIn und Instagram funktionieren sie als kurze Zitat-Clips, die auf die Langfassung oder die Referenzseite verweisen.

Was ein Testimonial-Video kostet, hängt vor allem von der Zahl der Interviews, Drehorte und Fassungen ab. Preisrahmen für alle Formate findest du unter Kosten einer Videoproduktion, eine Einschätzung für dein Projekt bekommst du über das Kontaktformular.

Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Testimonial-Video sein?

Eine Hauptfassung von 60 bis 120 Sekunden reicht für die meisten Kundenvideos und Mitarbeiter-Testimonials. Für LinkedIn und Instagram schneidest du daraus Zitat-Clips von 15 bis 30 Sekunden. Längere Interviewfilme lohnen sich nur, wenn das Publikum sich bewusst informieren will, etwa im Intranet oder auf einer Referenzseite.

Darf man Testimonial-Aussagen vorschreiben?

Davon ist abzuraten. Vorgeschriebene Sätze klingen auswendig gelernt und untergraben die Glaubwürdigkeit. Wird ein vorgegebener Text als echte Kundenmeinung ausgegeben, täuscht das zudem das Publikum. Sprich vorher die Themen ab, stelle offene Fragen und lass die Person in eigenen Worten antworten. Die Auswahl der stärksten Aussagen passiert im Schnitt, und die Interviewten nehmen das Ergebnis ab, bevor es veröffentlicht wird.

Sollte man im Testimonial-Video in die Kamera schauen?

Beides funktioniert. Der Blick knapp an der Kamera vorbei zum Interviewer wirkt wie ein beobachtetes Gespräch und fällt ungeübten Menschen leichter. Der direkte Blick in die Kamera spricht das Publikum unmittelbar an und passt gut zu Social Media, braucht aber mehr Übung. Wichtig ist, innerhalb eines Films bei einer Variante zu bleiben.

Wie viele Testimonials braucht man?

Für eine Leistung oder eine Zielgruppe reichen 2 bis 3 starke Stimmen. Mehrere Testimonials zeigen, dass die Erfahrung kein Einzelfall ist, und decken unterschiedliche Rollen ab, etwa Geschäftsführung, Fachabteilung und Anwender. Im Recruiting ist eine Serie sinnvoll, damit jede Berufsgruppe eine Person findet, in der sie sich wiedererkennt.

Was kostet ein Testimonial-Video?

Die Kosten hängen von der Zahl der Interviews, Drehorte und Fassungen ab. Mehrere Interviews an einem Drehtag senken den Preis pro Video deutlich. Zur Orientierung: einzelnes Social-Media-Format ab 2.500 €, Recruitingfilm ab 15.000 €. Alle Formate und Kostenfaktoren findest du unter Kosten einer Videoproduktion.

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